Wie bei jedem Projekt mußauch ein größeres Schreibprojekt sorgfältig geplant und gemanagt werden. Schondie antike Rhetorik unterteilte deshalb den Schreibprozeß in fünf Phasen, dieihre Gültigkeit bis heute nicht verloren haben.
Vorbereitung.Zunächst gibt es eine Vorbereitungsphase, in der die Idee zu einem Textentsteht bzw. Gestalt annimmt. Der Schreiber überlegt, was er mit seinem Texterreichen möchte, wie sich das Thema anpacken und darstellen läßt, woher erInformationen bekommt, wie er das Schreibprojekt zeitlich organisiert.
In dieser Phase kommt Ihnenetwas zu gute, dass kreative Menschen auszeichnet: Neugier.
Seien Sie grundsätzlich anNeuigkeiten interessiert! Kümmern Sie sich um andere Menschen und ihreProbleme. Erkunden Sie die Lebensumstände von anderen Menschen. Lassen Sie sichihre Biographie erzählen oder aus ihrem Berufsleben erzählen. Daraus kann Stofffür eine Erzählung, einen Bericht oder eine Reportage entstehen.
Mischen Sie sich inKaufhäusern, auf Campingplätzen in Supermärkten bewußt unter die Leute undbeobachten Sie. Das ist der Stoff, aus dem Stories entstehen. Und suchen Siesich Ihre Inspirationsquellen:
Ø Beispiel
FranzKafka hat immer im Trubel der Familie am Küchentisch geschrieben
JohnGrisham nutzt die frühen Morgenstunden, wo die anderen noch schlafen.
Wenn Adrian Plass nichts mehr einfällt, hat er zwei Orte, wo er neue Inspirationen sammelt : Doppeldecker-Bus fahren in London oder
inLieblingscafé sitzen und Leute beobachten.
Planung.Der zweite Schritt des Schreibprozesses ist die Planungsphase: Jetzt werden dieentscheidenden Weichen gestellt. Der Schreibende ist in dieser Zeit intensivmit Recherchieren beschäftigt. Er weiß, welche Aspekte des Themas in demspäteren Text auf keinen Fall fehlen dürfen. Strukturierungsmöglichkeitenkristallisieren sich heraus und werden auf ihre Brauchbarkeit überprüft. DerZeitbedarf für die Textproduktion läßt sich grob abschätzen.
Am Ende der Planungsphase werdenAbsicht, Umfang und die Gliederung des künftigen Textes zu einem Textkonzeptzusammengefaßt. Dieses Textkonzept ist für den fertigen Text das, was derRohbau für ein neues Haus darstellt. Seine Durchdachtheit bürgt für dieQualität des Endprodukts.; Investieren Sie in diese Phase also lieber zu vielZeit als zu wenig!
Erarbeitung.Die dritte Phase ist das eigentliche Schreiben, das Erarbeiten eines Rohtextes.Diese Phase erfordert sehr viel Kreativität und läßt sich nur schwer steuern.Die gesammelten Ideen und Gedanken werden jetzt in Sprache umgesetzt. Dabeitauchen immer wieder Fragen und Einsichten auf, die vorher nicht bedachtwurden. In der Praxis ist deshalb die Erarbeitung mit Phasen der Recherche undder Überarbeitung durchsetzt.
Wenn die Erarbeitungsphasegut vorbereitet wurde, können sich in dieser Phase die kostbaren Momente derLeistungseuphorie einstellen.
Deshalb ist es wichtig, daßSie frühzeitig mit der Erarbeitung beginnen: sobald die Gliederung steht undSie das Wichtigste gelesen haben. Für einen frühen Start spricht auch, daß erstdie Erarbeitung eine wirkliche Klärung des Themas bringt..
Überarbeitung.In der vierten Phase des Schreibprozesses geht es darum, dem ungehobeltenTextrohling Schliff und Glanz zu verleihen. Je nach Qualität der Rohfassungkann diese Phase ein hartes Stück Arbeit sein und viel Zeit in Anspruch nehmen.Satz für Satz gilt es, die Lesbarkeit und Verständlichkeit des Textentwurfs zuverbessern:
- Kannder Leser die Gedankenführung nachvollziehen?
- Stimmendie Satzlängen?
- Wasläßt sich kürzen, was vereinfachen?
- Läßtsich ein Substantiv durch ein Verb ersetzen?
Meistens ist dasArbeitspensum so groß, daß der Schreiber sich mehrmals durch den Texthindurcharbeiten muß.
Viele Schreiber warten mitder Überarbeitung längerer Texte übrigens nicht, bis die Rohfassung fertig ist,sondern wechseln zwischen Erarbeitung und Überarbeitung – kreativemGedankenfluß und kritischer Detailarbeit – hin und her. Erarbeiten undÜberarbeiten gehen in diesem Fall nahtlos ineinander über.
Endkorrektur.Bei der abschließenden Endkorrektur werden die letzten sprachlichenUnschönheiten, Rechtschreib- und Trennfehler und Verstöße gegen dieZeichensetzung beseitigt. Diese Qualitätssicherung entscheidet, wie ein Textauf den ersten Blick wirkt: flüssig lesbar oder gespickt mit sprachlichenStolpersteinen, schlampig oder vertrauenerweckend, dilettantisch oderprofessionell. Wer keine Mühe für die »Äußerlichkeiten« seiner Texte aufwendet,wird selten Anerkennung für die beschriebenen Inhalte ernten.
Also: Starten Sie einfach die erste Phase. Am besten noch heute.